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„Schon allein wegen der Sauerei….

würde ich keine Hausgeburt machen.“  Das war mein erstes Argument gegen eine Hausgeburt im Gespräch mit zwei Hausgeburtsmamas. 1,5 Jahre später habe ich unser zweites Kind in unsere Familie hineingeboren. Zuhause. Was mich dazu veranlasst hat ist vielschichtig.
Zuerst folgten weitere Argumente. Wir leben in Deutschland und ich bin froh, dass wir medizinisch so gut versorgt sind, warum sollte ich das nicht nützen?  Die Geburt unseres Sohnes im Krankenhaus vor 2,5 Jahren war gut. Doch in Gesprächen mit Hausgeburtsmamas spürte ich etwas komplett anderes heraus, als bei anderen Geburtsberichten… Was war das? 
Ich spielte innerlich „was wäre wenn“ … ich nochmal schwanger sein würde und erlaubte mir das Thema genauer zu beleuchten.  Bei einem  kurzen, spontanen Gespräch im Foyer unserer Gemeinde über die Geburt von meinem Sohn konnte Martina mir prompt 5 Punkte sagen, die mit ihr vielleicht anders verlaufen wären. Damit war ich offen für den Besuch bei einem der regelmäßigen Infoabende in ihrer Praxis. 
Die Frauenärztin sagte sie habe Verantwortung und würde mich ganzheitlich betreuen. Ja, ganzheitlich medizinisch, aber nicht als Mensch, als Frau, die ich bin. Und die bin ich nicht nur medizinisch. Und wer hat hier Verantwortung? Schlussendlich immer ich. Ich muss die Folgen tragen, egal wie es kommt. Es ist eine vermeintliche Abgabe von Verantwortung.  Es mindert eher  Eigenwahrnehmung. Überhaupt scheint es cool zu sein sich über ärztliche Anweisungen hinwegzusetzen und die Verantwortung bei Ärzten zu lassen. Sätze wie „mein Arzt hat zwar gesagt ich soll mich schonen, oder ich soll.. aber ich bin ja nicht krank“ oder „das mach ich trotzdem“.  Ich bin für mich und meinen Umgang mit meinem Körper  verantwortlich und über das Leben in mir, das Gott mir geschenkt hat.  So sehe ich es als Christin. 
So sehe ich es auch mit der Vorsorge. Ein Sorgen zu wenig, genauso wie ein zu viel kann Schäden und negative Auswirkungen haben z.B. bei einer Fruchtwasseruntersuchung wird ein Kind verletzt und stirbt, ein Kind wird zu früh oder zu spät geholt usw.
Nach diesen Grundüberlegungen und der Klarheit über eine erneute Schwangerschaft  lernten wir Martina noch als Paar kennen. Nach dem ersten Abend war jedoch nicht klar, ob wir mit ihr den Weg gehen.  
Die Frage der Sicherheit und dessen Sichtweise. 
Wir leben in Finsterrot nicht neben einem Krankenhaus. Wenn sich unser Kind eine Platzwunde am Kopf zuzieht entscheide ich nach Länge dieser, ob wir sie nähen lassen sollten oder nicht. Ob wir das Krankenhaus brauchen oder nicht. Genauso könnte man es auch bei einer Geburt sehen.  Wenn es medizinisch mehr braucht als Martina, dann kann ich das Krankenhaus in Anspruch nehmen. Wenn nicht, dann brauchen wir es nicht und genießen stattdessen unsere Intimität als Paar bei der Geburt. Rückblickend kann ich sagen, die Hausgeburtshilfe ist sozusagen wie „die Sahne abschöpfen“, wenn man die Klinik nicht benötigt, ist es die Creme della creme. 
Die nächste Auseinandersetzung war die mit dem Krankenhaus. Mit dem Anfordern des Geburtsberichtes vom 1. Kind kam für mich deutlich heraus, dass Sicherheit relativ ist. Die Hebamme dort hat eher den Geburtsverlauf durch ihr Verhalten gefährdet als gefördert. Wie?  Bei einer Geburt kommt ans Tageslicht wie man als Frau gestrickt ist, so hab ich „die Starke“ markiert. Da die Hebamme nur uns auf der Geburtsstation zu betreuen hatte, war sie meistens bei uns und da sie großen Redebedarf hatte, sah ich meine Rolle in der guten Zuhörerin. Ich stellte stundenlang Fragen zu ihren Hunden, was sie am nächsten Tag vorhat an ihrem freien Tag usw. Ich war nicht bei mir und nicht bei meinem Baby und meinem Mann war ich auch nicht nahe. Sie verwickelte auch ihn in Gespräche und er hörte aktiv zu. Schlussendlich hatte ich keine Geburtsverletzung klassischer Art, aber eine die meinem Herzen blieb. Ich war während der Wehen auf die Hilfe meines Mannes angewiesen, weil er durch das Drücken in meine Lendenwirbel zur Schmerzlinderung erheblich beitragen konnte. Doch er hörte freundlich und höflich zu bis sie ihren Satz zu Ende hatte und ich war in dieser Zeit allein in der Wehe. Es wäre auch an mir gewesen zu sagen, dass ich ihn jetzt! brauche. Sie unterstützte uns nicht, sondern sagte auch noch, dass es wenn es ein Junge wird, sie nicht verstehen kann, dass er nicht schon längst da sei, wenn er diese Möpse zu erwarten hatte….Autsch! Der eingeforderte Geburtsbericht zeigte, dass das Herztonmuster unseres ersten Kindes nie optimal war und Martina fragte, ob ich wenig oder nichts während der Geburt getrunken hätte. Doch man hatte mir nie zu Trinken angeboten und ich hatte auch nie danach gefragt… Warum hing es hier im Krankenhaus an den einfachsten Sachen ?  Aber der Kaiserschnitt stand als klare Option bereit!! Warum? Als es nach stundenlangem Gespräch mit der Hebamme an richtigen Wehen fehlte und die Geburt stillstand, beschloss sie einfach noch die 3 Stunden bis zum Schichtwechsel zu warten, ohne etwas zu unternehmen. Als ich die Gründe herausfinden wollte, nannte sie mir, dass dann auch ein Anästhesist, ein Kinderarzt und eine neue Hebamme im Haus wären und dass sie nichts mehr unternehmen wollte, was die neue diensthabende Hebamme dann „ausbaden“ müsse. Hä? Und vielleicht müsse man noch einen Kaiserschnitt machen…  Ich kramte in meinem Gehirn nach allem was ich im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hatte, und kam mit einer Idee. Ich wünschte mir einen Einlauf, das war das Natürlichste was ich wusste um die Geburt weiter in Schwung zu bringen. Kurz nach Schichtwechsel sprengte die neue Hebamme die Blase und unser Baby kam 20 Minuten später zur Welt. Im Rückblick finde ich schade, dass ich nicht in Ruhe und mit der Unterstützung meines Mannes gebären konnte. Dieser Rückblick machte mir klar wie wichtig es ist, zu wissen wer an meiner/unserer  Seite kämpft und was Geburtsmanagement auch alles bedeutet. Ich denke es ist entscheidend ob ich die Person die die Geburt begleitet schon kenne, ob sie mich schon kennt, und wie ich funktioniere. Schon allein dieses gegenseitige Wissen trägt zur Sicherheit bei der Geburt bei. Ich muss nämlich nicht nur unter immer wiederkehrenden Schmerzen entspannen und loslassen, sondern mich sogar noch weiten und öffnen können. (Für euch Männer ist es etwa so, als müsstet ihr im Beisein eurer Frau und dem med. Personal im Krankenhaus in eine Schüssel euren morgendlichen Stuhlgang verrichten ;-)  Ich denke da denkt jeder drüber nach, wer da dabei sein kann, ohne dass ihr euch komplett verkrampft. 
Die Tatsache dass Martina ja gewohnt ist, alleine durch die Geburt hindurch zu führen spricht für sie und sie kann sich nicht leisten durch irgendein Verhalten einen positiven, geburtsfördernden Verlauf zu gefährden. Das Hindurchführen der Frau bei der Geburt nennt man Geburtsmanagement und das kann viele Komplikationen komplett verhindern.  Das nenn ich Sicherheit während der Geburt! 
Kennt ihr das? Ihr hört einem Geburtsbericht zu und euch fällt auf, wie die Frau berichtet.  Es hört sich immer wieder so in folgender Art an: „Weil meine Wehen nichts bewirkten kam ich dann halt an den Wehentropf,…“  oder Ähnliches. Immer wieder begegnet mir eine Art zu berichten mit einer Mischung aus „mit mir wurde,… gemacht“ also im Passiv gesprochen. 
Dann las ich noch das Buch von Martina: „Hebammenkniffe“. Somit bekam ich noch mehr Einblick in ihre Berufswelt. Mich überraschte wie oft seelische Dinge der Frau bei der Geburt  im Wege stehen oder den Geburtsverlauf sehr stark beeinflussen. Manchmal eben so stark, dass es die medizinische Unterstützung einer Klinik braucht . 
Da eine Hausgeburt 3 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin bis maximal 2 Wochen danach durchgeführt werden kann ist nur der optimale Geburtszeitraum möglich. Dazu kommt die freie Arztwahl die ich für uns alle nutzte um die optimalen Startbedingungen für die Hausgeburt bestätigen zu lassen. Zur Hausgeburtshilfe gehört natürlich auch die gepackte Kliniktasche im Hauseingang  genauso wie Kindersitz und Erstlingsklammotten fürs Baby bei einer Verlegung. 
Irgendwo während der Auseinandersetzung  mit meiner ersten Geburt und dem Lesen des Buches Hebammenkniffe waren wir dann bei unserer Entscheidung Hausgeburt sicher. Mein Mann freute sich jetzt so selbstbestimmt auf die Geburt zugehen zu können. Er plante den Schwedenofen einzuheizen, sich der Obstschale zu bedienen, wie und wann er oder ich wollen… usw. während der ersten Geburt hatte auch er eine ganz andere Rolle. Er stand zwischen den Fronten und hatte nach wenigen Stunden frisch Lippenherpes vor Stress, das lebensgefährlich für ein Neugeborenes ist. Das hieß dann Mundschutz tragen und nichts mit schnuffeln und küssen des Babys in den ersten Tagen. Schade.
Der Ehedeal
Mein Mann und ich schlossen einen Deal. Während ich Wehen habe, darf ich bestimmen was wir noch machen. Ich dachte an Erdbeeren ernten in den Wehenpausen, Phase 10 spielen, irgendwas putzen, was ich auch immer denke was zu tun sei, bei so vielen Stunden die man zusammen Zeit hat. Und er darf bestimmen wann der Zeitpunkt ist, wann Martina angerufen wird. Er hatte nämlich dieses Mal Angst dass wir unser Baby alleine bekommen würden. Diese Abmachung fand ich genial. Ich freute mich!
Die Hausgeburt: 
Sie war keine 18 Stunden lang, denn nach 3 Stunden Wehenkampf, den ich (mal wieder) versuchte alleine zu kämpfen, um meinem Mann in der Nacht noch Schlaf zu gönnen, weckte ich ihn und wir riefen Martina an. Ich hatte eine Art von Wehen die ich noch nie hatte. Die Wehen kamen in unterschiedlichsten Abständen und waren unterschiedlich stark. Als Martina hier ankam, checkte sie zuerst mal den Muttermund der bei 3 Zentimeter geöffnet war und bemerkte, dass mein Baby weiter im Geburtsverlauf wäre, wenn ich es nicht zurückhalten würde. Das verstand ich als Herausforderung und versuchte voll in mich zu spüren wo und wie ich es zurückhielt. Als sie gleich im Anschluss das CTG angelegt hatte war ich so entspannt und bei mir, dass die Blase platzte und nach 2 Presswehen meine kleine Tochter kam. Martina war vor 40 Minuten zur Tür hereingekommen und die Geburt war geschafft. Rückblickend würde ich sagen, als Martina da war, habe ich mich so entspannt, dass die Geburt ihren Lauf nehmen konnte. Die Zeit davor habe ich meinem Körper einfach nicht erlaubt loszulassen und die Wehen zeigten sich auf eine Weise, wie wenn ich beim Autofahren, Gas und Bremse gleichzeitig betätige. Vermutlich wäre die Geburt früher gelaufen, wenn ich Martina früher angerufen hätte. 
Das waren meine Meilensteine, die ich auf dem Weg zur Entscheidung für die Hausgeburt beschreiben kann. Die Hausgeburtshilfe in Anspruch zu nehmen zum Wohl von mir, meiner Ehe und meines Babys ist für mich einfach eine logische Folge dem Leben zu begegnen. Sie kommt der ursprünglichen Idee die Gott über Familie hatte, denke ich am nächsten.  
Verwundert hat mich auch eine Krise beim Milcheinschuss und Stillstart. Martina arbeitete nicht nur mit Mittelchen (z.B. Retterspitz – super Sache außerdem) anhand von meinen Symptomen z.B. in meinem Fall war es meine harte, heiße Brust wie Wackersteine sondern ging mit mir an die Ursachen meiner Krise und die Symptome verschwanden noch am selben Abend. Seither stille ich und brauche keine Abstilltabletten wie in der Klinik beim 1. Kind und auch keine natürlichen Mittelchenan. Einfach nichts. Ich bin verblüfft. Diese Hausgeburtshilfe, die Denke, die Sensitivität von Martina, die Art den Menschen zu sehen und an ihn heranzutreten ist einfach ur-genial!         

DANKE!

Martina Eirich

Panoramastraße 1
74542 Braunsbach

07906 940620 (Praxis)
07906 89121 (Fax)

martina.eirich@web.de 

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