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Hebammen

Hausgeburt von Larissa Brodöhl, Berichte von Frauen für Frauen

Hausgeburt von Larissa Brodöhl, Berichte von Frauen für Frauen

Ja, dieses Buch werde ich Frauen weiter geben und empfehlen, die noch Entscheidungshilfe zu „Hausgeburt ja oder nein“ suchen. Larissa Brodöhl brachte Mitte der 80-iger Jahre noch in einer DDR-Klinik ihr erstes Kind zur Welt. Für die zweite Geburt wählte sie als Geburtsort ihr Zuhause. Ihr fiel das Fehlen an guter Hausgeburtsliteratur und Information auf und so brachte sie dieses Büchlein mit neun Erfahrungsberichten von Hausgeburtsfrauen, davon eine Verlegung, und den einer Berliner Hausgeburtshebamme heraus. Ihnen sind noch eine gute Übersicht über die QUAG-Zahlen (Qualitätssicherung außerklinischer Geburten) des Jahrgangs 2001 und eine kleine Literaturliste angehängt.

Die Berichte sind nicht zu knapp gehalten, sondern spannen zum Teil einen weiten Bogen, der die Entwicklung der einzelnen Frauen hin zur Hausgeburt sehr schön aufzeigt: „Aber in meinem Unterbewusstsein hat etwas gearbeitet“. Immer wieder kommt der mangelnde Beistand und die fehlende Unterstützung von Seiten der Gesellschaft und vor allem mancher Ärzte zum Tragen, den ich als beachtenswerten Risikofaktor ansehe und auf den wir zukünftig auch publizistisch noch stärker hinweisen sollten. Da von einigen meiner Frauen und Paare auch schon Geburtsberichte in Büchern und Zeitschriften veröffentlicht wurden, weiß ich um die (gewünschte) Subjektivität des Geschriebenen, die manchmal nicht mit der Realität übereinstimmt, was beispielsweise bestimmte Uhrzeiten anbelangt. Dennoch wunderte es mich, wie häufig bei diesen Hausgeburten eingegriffen wurde. Nicht nur von den Hebammen mit Amniotomien (Eröffnung der Fruchtblase) oder einer Anleitung zum Pressen, obwohl noch gar kein Pressdrang bestand und hinterher größere Geburtsverletzungen anstanden, sondern auch von Frauen, die am Termin oder wenige Tage „drüber“ ganz selbstverständlich zu Rizinus und Wodka griffen. Überhaupt klingt öfter mal das Weinglas....Geschmacksache....neun Geburtsberichte können hier vielleicht auch nur eine Kumulation desselben darstellen.

Erstaunlich fand ich auch den Bericht von Julia, die bei ihrer vierten Geburt die Klinikhebamme zu einer Hausgeburt überredete, diese dann aufgrund einer, ich habe herausgelesen Insertio velamentosa, bei von der Frau gewünschter Amniotomie, tja, das ist das Problem mit den Eingriffen bei den Hausgeburten, dass kann ganz schnell daneben gehen, dann doch zu der Überzeugung kam, dass dies ihre erste und letzte Hausgeburtsbegleitung gewesen sei.

Sehr berührt hat mich der Bericht der Hebammenkollegin, die sehr anschaulich von ihrer DDR-Ausbildung und ihrer Entwicklung zur Hausgeburtshebamme berichtet: „Mit der Ausbildung war es so wie mit der Geburt. Eigentlich war es ganz fürchterlich, aber wenn es vorbei ist, hast Du es schon vergessen“ bis hin zu „Für mich war es ein schwieriger Prozess bis zu der Erkenntnis, dass ich für das, was ich als Beruf gelernt habe...ein Kind auf die Welt zu heben, eigentlich überflüssig bin. Denn das kann die Frau ganz allein und ohne unser Zutun mehrheitlich besser als mit. Die Frau braucht die Hebamme besonders vorher und nachher“. Dem ist nichts hinzuzufügen!

Martina Eirich

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