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Eigene Publikationen

Quo vadis obstetrix?

Wie fing es eigentlich an, damals, man möchte schon sagen in grauer Vorzeit mit den Sectiones, die schon damals keine richtigen waren. Da gab es die eine oder andere Privatpatientin, die zum Chef gewackelt und wenige Wochen später nach ihren schweren Minuten aus dem OP geschoben wurde: zu einem fixen, fiktiven Datum, das so exzellent in die Lücke im Terminkalender des Angetrauten passte, wie seine Krawatte zu Hemd und Anzug.

Wie fing es eigentlich an, damals, man möchte schon sagen in grauer Vorzeit mit den Sectiones, die schon damals keine richtigen waren. Da gab es die eine oder andere Privatpatientin, die zum Chef gewackelt und wenige Wochen später nach ihren schweren Minuten aus dem OP geschoben wurde: zu einem fixen, fiktiven Datum, das so exzellent in die Lücke im Terminkalender des Angetrauten passte, wie seine Krawatte zu Hemd und Anzug . SECTIO OHNE MEDIZINISCHE INDIKATION. Wie Porzellanprinzessinnen lagen die Aufgeschnittenen und wieder Zugenähten in ihren Privatbetten, umrahmt von Baccararosen und Männern, die Dankbarkeit aus allen Poren verströmten, ob des Opfers ihrer Frau. Was hat Mann schließlich davon, wenn Frau hinterher eine Hängematte anstelle eines Beckenbodens hat, wie einer der erstsectionierten Managerväter verkündete.

Er musste es natürlich wissen, doch wir konnten damals, ohne Selbsterfahrung, keinesfalls mitreden.

Heute sind wir nicht mehr so naiv, meinen wir zumindest. Ruft eine Frau mit diesem besonders süßen Timbre in der Stimme an, ist Vorsicht geboten: Denn eigentlich wollen ja fast alle eine Hausgeburt machen, das dürfen wir Hebammen ja wohl auch erwarten, dass die Frauen uns diesen Honig um den Mund schmieren, schließlich haben sie Anspruch auf alles, auch wenn ihre Verantwortung für sich selbst gegen Null geht. Leider sind wir nach vielen, vielen Frauen auch gegen plumpe weibliche Annäherungsversuche immun. I´m sorry, honey, inzwischen erwarten auch wir von den Frauen Bestimmtes: Dass sie zum Beispiel einfach nur ehrlich sind, dass sie sagen: o.k. ich lasse mir den Bauch aufschneiden weil ich es bequem finde oder mein Mann Panik hat, sich im wahrsten Sinne des Wortes total verloren in meiner Vagina zu fühlen, ich aber, wie du ob meines gigantischen body-mass-Index sicher bemerkst, weder die Disziplin noch die Lust aufbringen werde, hinterher ein passables Beckenbodentraining zu machen... wenn da nicht die Cousine fünften Grades wäre, die ich ob ihres Kaiserschnitts wegen relativem Mißverhältnis als härteste Sectioindikation, immer wieder gerne auf´s Tablett bringe. Bei einer solchen Verwandtschaft, na dann. Pas de problème. Die Frauen verweigern sich der Spontangeburt, was liegt da näher als sich als Hebamme der Wunschsectio zu verweigern. Die Kolleginnen dürfen nach Lust und Laune am Diensttag Sectiodienst schieben und die Kunst das sterile Tuch perfekt zu halten üben um das Kind noch besser abnehmen zu können. Wir haben inzwischen mehr Zeit für die Frauen, die ihr Kind per vias naturales gebären oder lesen oder meditieren zum Beispiel über die eklatante Lücke im Fortbildungskalender, die sehr gut von erfahrenen Wunschsectiohebammen mit grossem Ehrgeiz und/oder kleinem Selbstbewußtsein gefüllt werden könnte.

Hier sind Referentinnen gefragt, die den noch unerfahrenen Kolleginnen vermitteln, wie man diese Frauen im Vorfeld in ihren Geburtsängsten weiter bestärkt, um eine Abkehr vom eingeschlagenen Geburtsmodus in jedem Falle zu verhindern, schließlich bedeutet das auch für die Klinik gewaltige Einkommensverluste. Man stelle sich nur die Fallpauschale ambulante Geburt versus Sectio vor. Und erst das hinterher: neunfach erhöhte Mortalität und sogar zehnfach erhöhte Morbitität im Vergleich zur Spontangeburt. Wenn das in unserer freien (Krankenhaus)Wirtschaft nicht für eine weitere massive Steigerung der Wunschsectiorate spricht, was dann? Wir sind uns sicher eine solche Experten-Kollegin, vorstellbar wäre z. B. die Hervorhebung dieser Handlangertätigkeit durch die Zusatzbezeichnung Fachassistentin für zeitgemäßes Sectiowesen kurz:Sectiopertin, ist sicher bei vielen Chefs, egal ob Verwaltung oder Geburtshilfe nun nicht mehr gesichtslos, sondern wird mit vollem Namen angesprochen. Auch ihr Selbstbewußtsein steigt vor allem dann, wenn sie es versteht sich unersetzlich zu machen. Schließlich hat so manche Sectiofrau lebenslang Versagensängste oder, ob des fehlenden Bondings Probleme mit ihrem Kind. Ebenso wäre an die Leitung von Selbsthilfegruppen zu denken um z. B. für die Narzisstinnen Fragen wie: von meiner Sectio ist mir leider eine Narbe geblieben, wie kann ich sie am besten kaschieren, vielleicht mit einer Haartransplantation, zu klären.

Allen ist nun sicher klar, dass sich ganz neue Arten der Zusammenarbeit auftun. Nicht mehr nur Gynäkologen und Hebammen, nein auch die Sozietät mit einem Dermatologen, einer Psychologin oder einem plastischen Chirurgen wäre für die Sectiopertin sicher empfehlenswert.

So erschließen sich ganz neue (OP-)Wege für die Hebamme der Vergangenheit, wenn sie nur endlich vom Herausheben absehen und in der Zukunft nur noch abnehmen würde.

Für alle die sich für die Weiterbildung interessieren, hier noch einmal ganz langsam und ausführlich die Voraussetzungen: wenig ausgeprägte Persönlichkeit, absoluter Mangel an Differenziertheit, Fähigkeit sich jeglichen geburtshilflichen Wissens zu entledigen. Hier wird deutlich, dass vor allem Kolleginnen ohne jegliche Fortbildungsmotivation am geeignesten erscheinen, mit dem tollen Bonbon für die Beleghebammen viel Geld für wenig Arbeit zu bekommen, für die Angestellten ohne klassische Ambitionen, sich immerhin viele Stunden Operngesänge zu ersparen: Kölner Wehensong hin und her. CAVE: das ordnungsgemäße Anlegen der OP-Handschuhe, sowie des sterilen Tuches sollte verinnerlicht sein. Ausschaltung des Gewissens bzw. Zurechtlegung eines neuen unter Zurechtbiegung der ärztlichen Ethik. Hier gilt hemmungsloses Abkupfern von den Verfechtern der Wunschsectiones, je versierter, umso besser. Einzig und allein zählt was die Eltern wollen. Es sollte ihnen dringenst nach dem Mund geredet werden, dann bleibt man immer beliebt und bekommt tolle Geschenke. Da die Aufklärung allein dem Arzt obliegt, hat die Sectiopertin keinerlei Verantwortung gegenüber der Dokumentation und findet sich nicht mehr diesbezüglich vor dem Richter wieder. Der einzige Ausrutscher könnte der im OP in der Fruchtwasser-bzw. Blutlache sein, hier wären motorische Übungen in Form von: wie übe ich das richtige Fallen mit Kind, möglich. Zusammenfassend können wir sagen, dass wir unser Ziel am effektivsten erreichen, indem wir uns immer mehr von der Natur entfernen und die Frauen aus dem Körper weg in ihren Kopf bringen. Mit Angst lässt sich das meiste Geld verdienen, weiss die Sectiopertin und unterstützt die Frauen in ihrer absoluten Abhängigkeit von den Ärzten. Je mehr umso williger und leichter zu führen und zeitsparender. Zum Geburtsobjekt das passende OP-Objekt, auf dass unsere Kinder in Zukunft nicht mehr über Lateinklausuren brüten, um poetische Realitäten wie: wir werden zwischen Stuhlgang und Urin geboren zu übersetzen sondern ihre Sprache so kurz und schnittig wie möglich dem Niveau der zeitgemäßen Geburtshilfe anzupassen: boah, geil ey, Sectio.

Martina Eirich

Panoramastraße 1
74542 Braunsbach

07906 940620 (Praxis)
07906 89121 (Fax)

martina.eirich@web.de 

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