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Interview: Hausgeburt nach Kaiserschnitt

Martina Eirich arbeitet seit 1995 als Hausgeburtshebamme und ist Mutter von 4 Kindern. Im Jahr begleitet sie ungefähr 70 Geburten. Darunter sind auch einige Frauen, die zuvor einen Kaiserschnitt hatten. 

In diesem Interview beantwortet Martina Fragen zur Hausgeburt nach einem oder mehreren Kaiserschnitten.

 

 

Martina, ich freue mich sehr, Dich heute hier vorstellen zu dürfen. 

Wie viele Mütter mit einem Kaiserschnitt in der Vorgeschichte hast Du schon begleitet? Was haben diese Frauen erlebt, bevor sie zu Dir kommen?

 

Ich habe die vergangenen Jahre zwischen 11 und 18 Frauen pro Jahr mit Zustand nach Kaiserschnitt begleitet. 

Diese Frauen sind in der Regel traumatisiert von ihrer Kaiserschnittgeburt. Sie fühlten sich inadäquat begleitet und kaum aufgeklärt. Manche sind selbstkritisch und erkennen, dass sie sich geistig und seelisch zu wenig auf die Geburt vorbereitet und sich zu sehr in Äußerlichkeiten verfangen hatten. 

 

Die Mütter haben in den Kliniken oft unzureichende Kommunikation, fehlende 1:1-Betreuung während der Geburt, ständige Schichtwechsel, sowie unterschiedliche Hebammen mit manchmal wenig Engagement kennen gelernt. Dies liegt meiner Meinung nach aber an der Erschöpfung der Kolleginnen.

 

Warum entscheiden sich Frauen, trotz medizinischer Risiken für eine Geburt in den eigenen 4 Wänden?  Hast Du erlebt, dass es während Deiner Begleitung zu Komplikationen gekommen ist?

 

Die Mütter sehnen sich nach Kontinuität, um Vertrauen zu fassen und sich für die Geburt fallen lassen zu können.

Sie fühlen sich zuhause sicherer, auch wenn ich betone, dass keiner voraussehen kann, wie ihre Geburt ablaufen wird. Oft werfen sie die Alleingeburt in den Ring, aus Angst, ich nehme sie nicht an. 

Das ist schon krass, denn ich habe bei einer Geburt wenigstens mein CTG-Gerät (Herzton-Wehenschreiber) dabei. Damit habe ich in zwei Fällen frühe Rupturen (Einrisse in die Naht des vorangegangenen Kaiserschnitts) durch ein auffälliges Herztonmuster erkannt und die Frauen zügig in die Klinik verlegt. 

 

Wie ist es diesen beiden Müttern und Ihren Kindern ergangen?

 

Beiden ging es zum Zeitpunkt der Verlegung noch sehr gut. Sie hatten keinerlei Schmerzen oder Kreislaufprobleme und erst in der Klinik hat eine der Frauen angefangen zu bluten. Da wurde dann sofort ein Notkaiserschnitt durchgeführt. Mutter und Kind ging es danach wunderbar. Bei der anderen Frau wurde ebenfalls zügig ein Kaiserschnitt gemacht und dabei festgestellt, dass die Gebärmutter bereits eröffnet war. Das Kind kam unauffällig zur Welt. 

Ich mag mir nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn hier keine Herztöne kontrolliert worden wären, wie es bei einer Alleingeburt ohne Hebamme ja der Fall ist. Die Frauen überleben einen Einriss der Naht in der Regel, sie werden, wenn keine Hebamme dabei ist, wohl irgendwann vom Mann oder den Freundinnen mit Schocksymptomen in die Klinik verlegt. 

Aber die Kinder sind vermutlich kaum noch zu retten oder haben zumindest einen Sauerstoffmangel. 

Ich betone jedoch bei den Paaren, dass auch der Weg in die Klinik bei einer zügigen Ruptur, zu lang sein kann. Allen ist dieses Risiko bewusst. Sie fühlen sich jedoch trotzdem bei diesem Weg besser.

 

Wovon hängt es ab, ob Du eine Mutter mit einem oder vielleicht sogar mehreren Kaiserschnitten in der Vorgeschichte begleitest? Gibt es Ausschlusskriterien oder zwingende Voraussetzungen?

 

Zwei Kaiserschnitte ohne eine nachfolgende vaginale Geburt oder mehr als zwei Kaiserschnitte, sind Ausschlusskriterien für eine außerklinische Geburt und in Deutschland nicht mehr versichert. 

 

Die Frau sollte nicht alleine aufgrund einer Traumatisierung durch ihre vorangegangene Klinikgeburt die Hausgeburt wählen, sondern auch Gründe haben, weshalb ihr die Geburt in den eigenen Wänden wichtig ist. 

 

Manche Ärzte raten dringend von der Hausgeburt ab, weil sie sagen, dass man die Mutter bei einer Uterusruptur auch nach einer Hausgeburt retten könne, aber nicht immer das Kind. Bei einer Klinikgeburt habe man manchmal die besseren Karten, da der Weg wegfalle und der Kaiserschnitt zumeist schneller erfolgen könne. Dieses ärztliche Argument teile ich den Paaren selbstverständlich mit. 

 

Auch ein Längsschnitt, T-Schnitt, beim vorangegangenem Kaiserschnitt, ein früherer Riss der Gebärmutter und vorangegangene Gebärmutteroperationen oder ein sehr schweres Kind, das über 4,5 kg wiegt, sprechen gegen eine Hausgeburt. Die Mutter muss auch mindestens eine Ultraschalluntersuchung beim Frauenarzt gehabt haben, damit eine Plazenta praevia oder eine in die Narbe eingewachsene Plazenta ausgeschlossen ist.

 

Kannst Du etwas dazu sagen, wie die rechtliche Situation aussieht? 

 

Die Hausgeburt nach einem Kaiserschnitt ist in Deutschland versichert und die Ausschlusskriterien greifen erst ab dem zweiten Kaiserschnitt, ohne vorherige vaginale Geburt. Die ärztliche Leitlinie empfiehlt die Möglichkeit, jederzeit einen Kaiserschnitt durchführen zu können, das bedeutet: Geburt in einem Krankenhaus. Diese Informationen erhält jedes Paar von mir beim Erstgespräch. 

 

Warum glaubst Du, ist eine Hausgeburt nach Kaiserschnitt für Mutter und Kind eine gute Alternative? 

 

Die Entscheidung für den Geburtsort trifft das Paar. Ich votiere dagegen, wenn es medizinische Gründe gibt, die jedoch meist nichts mit dem vorangegangenem Kaiserschnitt zu tun haben, sondern auch Schwangere ohne Kaiserschnitt betreffen können. 

Die hohe Spontangeburtsrate von rund 95% spricht für die Hausgeburtsbegleitung, denn Kreißsäle sind weit entfernt von solchen Zahlen. Allerdings erwähne ich im nächsten Atemzug sofort das Risiko der Ruptur und den eventuellen Vorteil der Klinikgeburt. 

Ich möchte betonen, dass ich mich hier in einem Dilemma befinde. Ich sehe die vielen zufriedenen und glücklichen Paare, auch unter den fünf Prozent, die in die Klinik verlegt werden mussten und ohne Ausnahme wieder einen Kaiserschnitt erhielten, denn sie spürten, es wurde alles probiert, ging aber nicht anders. 

Ich bekomme von den Müttern oft die Rückmeldung, dass sie sich geheilt fühlen, da sie endlich die intensive, humane Begleitung erhalten hätten, die sie sich bereits bei der ersten Geburt gewünscht hätten. 

Auf der anderen Seite, fühle ich mich als Hebamme alleine gelassen. Ich leiste extremen Einsatz, der aber nur honoriert wird, wenn alles gut geht. Dabei leiste ich nicht weniger gute Arbeit, wenn es auch mal nicht gut geht. 

Ärzte würden wahrscheinlich entgegen, dass ich einfach keine Paare nach Kaiserschnitt hätte begleiten dürfen, weil auf sehr viele super Geburten mit viel besseren Ausgang als in der Klinik nun eine nicht gut ausging. 

Die Frage ist doch, ob man wegen dieser Rupturwahrscheinlichkeit von 0,5% allen Paaren eine Klinikgeburt mit viel niedrigerer Erfolgsrate „verordnen“ sollte? 

Die Eltern möchten eben eine andere Erfahrung und unterschreiben mir dieses Risiko. Ich habe übrigens auch schon als Beleghebamme mit solchen Frauen gearbeitet. Dort betrug die Re-Sectiorate 22% und war damit niedriger als bei normaler Klinikgeburt mit dort 68%, war jedoch mehr als vier Mal höher als bei einer Hausgeburt. Auch die Zufriedenheit der Paare war nicht so hoch. Sie fühlten sich in der Klinik unwohler und ärztlicherseits unter Druck gesetzt. Es ist einfach ein anderes Arbeiten zuhause.

 

Wann würdest Du in die Klinik verlegen? Kannst Du sagen, wie oft das vorkommt, bzw., wie hoch Deine Verlegungsrate ist? 

 

Meine Verlegungsrate liegt bei rund 5 %. Gründe können die typischen Rupturzeichen, also Zeichen eines Einrisses der Kaiserschnittnaht, mit plötzlichen Schmerzen und oft auch ausbleibender Wehentätigkeit sein, die ich aber noch nie hatte oder eben eine auffällige, veränderte Frau. In der Regel zeigt uns aber ein auffälliges CTG-Muster und auch eine Blutung, dass hier etwas im Busch ist und äußerst zügig verlegt werden sollte.

 

Wodurch unterscheidet sich für Dich die Begleitung einer Frau mit vorherigem Kaiserschnitt von der „normalen“ Geburtsbegleitung? 

 

Ich erfrage, weshalb der Kaiserschnitt stattgefunden hat. War es ein geplanter Kaiserschnitt aufgrund einer Steißlage oder von Zwillingen oder weil das Kind sehr schwer geschätzt wurde und dann doch über ein Kilo leichter war und nur gute drei Kilo wog, hat sie sehr gute Chancen, dass es dieses Mal spontan klappt. 

 

Schwieriger kann es werden, wenn es sich um eine sehr lange, zähe Geburt handelte und irgendwann entschieden wurde, nicht aus Not, sondern, weil es einfach allen reichte, einen Kaiserschnitt durchzuführen. 

Da lesen wir die Geburtsberichte nochmals genau durch, vergleichen mit dem Erlebten bei den Eltern. Wenn mein Gefühl dann in die Richtung geht, dass sie sich im Kreißsaal nicht wohl gefühlt hat oder Hebammen/Ärzte nicht zu ihr gepasst haben etc. sehen die Chancen auch gut aus. 

 

Bei Frauen, die jedoch mauern und immer nur der Klinik die Schuld geben und sie alles richtig gemacht haben, klingeln bei mir die Alarmglocken und ich rede freundlich Klartext. Manchmal entscheiden wir uns dann gemeinsam gegen die Hausgeburt und sie suchen sich eine Klinik, die eher ihren Vorstellungen entspricht.

 

Viele Mütter, vor allem jene mit einem Kaiserschnitt in der Vorgeschichte, haben größte Mühe, überhaupt eine Hausgeburtshebamme zu finden. Warum lehnen manche Hausgeburtshebammen Frauen mit einem vorherigen Kaiserschnitt ab? 

 

Weil Geburtshelfer, egal ob Ärzte oder Hebammen, oft den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen, wenn die Geburt nicht so verläuft, wie sie laut Eltern und Gesellschaft verlaufen sollte. 

Das ist nochmal schwieriger, wenn nicht das angeblich Maximale an Eingriffsmöglichkeiten geboten wurde, um das Kind zu retten, sprich der Kaiserschnitt durch die Wegstrecke in die Klinik verzögert wurde und das Kind einen Sauerstoffmangel erlitten hat oder verstorben ist. 

Wir Hausgeburtshebammen hätten es leichter, wenn wir uns wirklich darauf verlassen könnten, dass Eltern ihre Verantwortung für der Wahl des Geburtsortes tragen und die Hebamme alleine ihre fachliche Kompetenz einbringen könnte. 

Es wäre gut, wenn Ärzten, Eltern und auch den Krankenkassen klar wäre: Die Klinik hat ihre Vor- und Nachteile, ebenso die Hausgeburt. Das Paar entscheidet sich für das eine oder andere. Die Hebammen und Ärzte tragen ihre Verantwortung für die korrekte Aufklärung und ein Handeln, dass den Regeln ihrer Professionen entspricht. 

Die Klinikgeburt hat ja auch ihre eigenen Risiken, über diese wird nur viel zu wenig gesprochen.

 

 

Immer wieder sagen Frauen, die in Kliniken sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben, dass sie auf keinen Fall mehr in ein Krankenhaus zur Geburt gehen werden. Was sollen diese Mütter tun, wenn sie nun auch keine außerklinische Begleitung mehr finden können? 

 

Eine Klinik suchen, die ihren Vorstellungen am ehesten entspricht und dafür auch längere Wegstrecken in Kauf nehmen. Vielleicht auch die Kombination aus einer Beleghebamme, die einen schon intensiv in der Schwangerschaft begleitet und einer Klinik. 

 

Ist es unter den heutigen Bedingungen überhaupt noch möglich, von einem Mehr an Sicherheit im klinischen Umfeld zu sprechen? 

 

Ich finde es gefährlich eine solche Frage pauschal zu beantworten. Das muss das Paar selbst entscheiden. Gesellschaftlich sieht es hier in Deutschland noch immer so aus, dass die Klinik mehrheitlich als sicherer wahrgenommen wird. 

Dass die Evidenzen eher für die Hausgeburt sprechen, nehmen meist nur gut informierte Menschen war. Meine berufliche Erfahrung als Hebamme mündete in der Entscheidung für Hausgeburten und dass ich mich bei meinen vier Geburten zuhause sicherer gefühlt habe und auch super Geburten hatte. Darauf ziehe ich auch nach Jahren noch viel Kraft und Energie für meine Arbeit.

 

Was muss zukünftig passieren, damit Mütter eine echte Wahlfreiheit haben, wie und wo sie ihr Kind zur Welt bringen können?

 

Meine Kolleginnen ergreifen immer mehr die Flucht. Sie verstecken sich hinter unverfänglichen Dingen, die ich nicht mehr als eigentliche Hebammenarbeit bezeichnen möchte und machen viele Fortbildungen in diese Richtung, um beispielsweise Wellnessangebote für Schwangere anbieten zu können und sich so über Wasser zu halten. Das ist auf der einen Seite verständlich, auf der anderen Seite aber fatal für unseren Berufsstand. Er wird zunehmend indifferent und feige. 

 

Interessant ist, dass viele Hebammen selbst privat die Hausgeburt wählen, aber nach der Kleinkindphase wieder zurück in die Kliniken streben oder nur noch Kurse und Nachsorgen anbieten. Das ist auch hart für mich. Denn ich gebe auch bei ihnen als Schwangere und Gebärende alles. Meine Arbeit wird von ihnen auch sehr gewürdigt. Leider unterstützt mich aber bis heute keine von ihnen beruflich. Und so geht es beim nächsten und übernächsten Kind wieder.

Es wird gejammert, dass sie dieses und jenes an Verantwortung nicht übernehmen wollen und wie schwierig alles sei. Dabei brauchen die Schwangeren und Familien reife, verantwortungsbewusste Hebammen und keine Hasenfüße. 

 

Von der Politik wünsche ich mir, dass ich nicht Sätze wie: Sie sind ja eh eine Ausnahme, um die Ohren gehauen bekomme, sondern, dass ich gefragt werde, welche Strategien und Wünsche ich für die Zukunft habe. Generell hätten wir anderen Nachwuchs, wenn andere Dinge gefordert werden würden: Verlässlichkeit, Pflichtbewusstsein, Disziplin, Verantwortungsbewusstsein.

 

Wenn ich mir die Abiturklassen meiner Kinder ansehe, lerne ich einige junge Frauen mit diesen Eigenschaften kennen. Diese studieren aber lieber Jura oder Medizin. 

Wenn ich frage, weshalb sie nicht Hebamme werden wollen, fallen solche Sätze: „Außer Dir kennen wir keine wirklich präsente Hebamme. Der Berufsstand wirkt insgesamt nicht sehr interessant. Er wird doch von den Hebammen eher wie ein Helferberuf, wie Krankenschwester oder medizinische Fachangestellte, ausgeübt. Ich will aber nicht so etwas machen. Ich möchte mehr Verantwortung tragen“. 

 

Das deckt sich genau mit der Flucht der Hebammen in eine Arbeit, die Verantwortung eher auf andere abschiebt. Junge Frauen, die etwas vom Leben wollen, haben keine Lust auf ein solches Kollegium und suchen sich lieber andere Berufe. Dabei ist dieser Beruf so großartig und vielseitig, einfach ungemein spektral.

 

Was muss aus Deiner Sicht auf politischer Ebene geschehen, um Geburten in Deutschland für Mutter und Kind sicher zu gestalten und trotzdem die hohen Kaiserschnittraten in Deutschland zu senken?

 

Mit meiner Arbeit beweise ich tagtäglich, dass die Forderung der WHO, dass nur eine Kaiserschnittrate von maximal 10-15% angemessen ist, stimmt und umgesetzt werden könnte. Die Kaiserschnittrate meiner ausgewählten Frauen (keine Steißlagen, keine Zwillinge etc.) liegt bei etwa 2 %. Bleiben also noch 8 bis 13% für die restlichen Frauen. Das reicht dicke. In den Kliniken fehlen erfahrene Hebammen. Viele ältere Kolleginnen arbeiten nur noch in Teilzeit, weil sie sich so ausgebrannt fühlen. Diese fehlen wiederum, um die jungen Kolleginnen adäquat anzuleiten. 

 

Diesen Kritikpunkt höre ich immer wieder von den Frauen, die mit ihrer Klinikgeburt nicht zufrieden waren. Dass sie selbst die Hebamme anleiten mussten, da sich diese so unsicher fühlte oder zu jung war. 

 

Von Seiten der Hebammenwissenschaft wünsche ich mir eine klare Positionierung und Abgrenzung zur ärztlichen Geburtshilfe. Ich möchte weder das eine gegen das andere ausgespielt wissen, sondern die Stärken und Schwächen beider Seiten allen Bevölkerungsschichten zugänglich machen. Dabei könnte uns unter anderem auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung helfen. 

 

Die weiter steigenden Haftpflichtprämien der geburtshilflich tätigen Hebammen sollten über einen Haftungsfonds erträglich werden. Die Hebammen können für 1 Million Euro über ihre Prämie haften, den Rest übernimmt der Staat. Ich weiß jedoch um die rechtliche Problematik. Der Fairness halber müssten 47 weitere Berufe des Gesundheitswesens auch daran beteiligt werden.

 

Dein Beruf ist extrem kräftezehrend. Du hast selbst eine Großfamilie und keine Vertretung, da Du die einzige Hausgeburtshebamme im Landkreis Schwäbisch Hall bist. Wie siehst Du Deine Zukunft?

 

Ich bekomme immer wieder Jobangebote. Teilweise aus dem Coachingbereich, teilweise von Eltern, die Unternehmen haben und mich gerne als Büroleiterin oder persönliche Assistentin einstellen würden. Das hört sich alles sehr interessant und vor allem nach geregeltem Schlaf an, was ehrlich gesagt schon verlockend ist. Dennoch sehe ich mich auch in nächster Zeit weiterhin an dieser Stelle. 

 

Ich habe bislang noch keinen Beruf kennengelernt, der dermaßen anspruchsvoll und vielseitig ist. Ich kann nichts dafür, wenn ihn viele Hebammen so nicht mehr ausüben. Ich mache es voller Freude, Leidenschaft und Verantwortungsbewusstsein. Wenn man ein Vielfaches seiner Anfragen für Hausgeburten aus Kapazitätsgründen ablehnen muss, ist das auf der einen Seite frustrierend, auf der anderen aber auch erfreulich, dass es eine so hohe Nachfrage gibt. 

 

Deshalb peile ich an, noch weitere dreißig Jahre als Hausgeburtshebamme zu arbeiten, erwarte aber Unterstützung von allen Seiten. Großes Lob und materielle Geschenke sind kurzfristig nett, aber langfristig zu wenig, um die negativen Seiten dieses großartigen Berufs auszugleichen.

 

Interview von: http://www.geburt-nach-kaiserschnitt.de/2016/09/26/interview-hausgeburt-nach-kaiserschnitt/

Martina Eirich

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